ENERGIESELBSTVERSORGER IM TREND

Als Anfang Juli der Einkaufspreis für Strom im australischen Bundesstaat Queensland mitten am Tag unter null gerutscht ist, ist die Verwunderung groß gewesen. Im Gegensatz zu den Nachtstunden, wenn die Nachfrage geringer ist, sind Negativpreise untertags, wenn der Stromverbrauch in Haushalten, Büros und Fabriken seinen Höhepunkt erreicht, sehr ungewöhnlich.

Auch in den folgenden Tagen erholte sich der Strompreis, der normalerweise zwischen 40 und 50 Australischen Dollar (rund 28 bzw. 34 Euro) liegt, nicht nennenswert. Die Ursache dafür ist der wachsende Einfluss von Sonnenenergie, wie der „Guardian“ berichtet. Denn Solaranlagen produzieren genau dann die meiste Energie, wenn der Verbrauch am höchsten ist und für fossile Brennstoffe die höchsten Preise verlangt werden können - mitten am Tag.

APA/EPA/Alice Solar City

Solarzellen auf dem Dach eines Betriebes in Alice Springs. Alice Springs verzeichnet im Durchschnitt 300 Sonnentage im Jahr - ideal für Solarenergie.

Laut dem Bericht sollen bis 2023/2024 bereits drei Viertel aller Ein- und Mehrfamilienhäuser und 90 Prozent aller Betriebe über Sonnenkollektoren verfügen - für ein Land mit so vielen Sonnenstunden im Jahr wie Australien nur naheliegend.

PRODUZENTEN UND KONSUMENTEN IN EINEM

Bereits 2018 könnten laut der Investmentbank UBS auch große Städte mit Solarenergie versorgt werden. 2040 könnte die Hälfte der Energie in Australien an jenem Ort produziert werden, wo sie auch genutzt wird, so die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO). Haushalte und Betriebe werden so zu „prosumers“, also Produzenten und Konsumenten in einem. Aufgrund der hohen Verteilungskosten hat die komplette Abkoppelung vom Stromnetzwerk besonders für die Bewohner abgeschiedener Gegenden finanzielle Vorteile.

STROM AUS SONNENLICHT

Bei Solarenergie wird zwischen thermischen Solar- und Photovoltaikanlagen unterschieden. Während bei Ersteren mittels einfacher Kollektoren Sonnenlicht für Wärmeaufbereitung nutzbar gemacht wird, wandeln die etwas komplexeren Solarzellen bei Photovoltaikanlagen Sonnenlicht direkt in Strom um.

ZEIT DER KOHLEKRAFTWERKE VORBEI?

Bisher waren Kohlekraftwerke traditionell Hauptenergielieferant in Australien. Sie verzeichnen hohe Schadstoffemissionen, die produzierte Energie gilt aber als billig. Die Kosten für die Verteilung treffen die Konsumenten allerdings offensichtlich so stark, dass immer mehr Privathaushalte und Betriebe sich für Solarzellen auf dem Dach entscheiden.

Der Vormarsch der Solarenergie ist bereits so weit vorangeschritten, dass etwa im vergangenen Jahr nur wenige Kohlekraftwerke überhaupt Gewinne verzeichnen konnten. In diesem Jahr sieht es laut dem Bericht noch schlechter aus. Die Zeit der zentralisierten Energie aus Kohlekraftwerken sei in Australien vorbei, prophezeit der „Guardian“.

CO2 - STEUER WIEDER ABGESCHAFFT

Allerdings schenkte die konservative Regierung von Tony Abbott der Bergbaulobby am Donnerstag das versprochene Wahlzuckerl und schaffte die von Vorgängerin Julia Gillard eingeführte CO2-Steuer für die Industrie wieder ab. Die Steuer für die stärksten Treibhausgasemittenten sollte zu einer Verringerung des Ausstoßes führen. Betroffen waren rund 350 Unternehmen, darunter aus der Verkehrs- und Bergbaubranche.

Die CO2-Emissionen pro Kopf in Australien gehören zu den höchsten weltweit. Abbott bezeichnete die Abschaffung der Abgabe nun als „großartige Nachricht“ für Familien und Kleinbetriebe, Haushalte könnten 550 australische Dollar (380 Euro) pro Jahr einsparen. Auch die Wirtschaft könne aufatmen. Der Premier will die Industrie statt mit der Steuer zu bestrafen nun für CO2-Einsparungen finanziell belohnen. Umweltschützer sprachen von einer „Tragödie“. Auch die EU-Kommission äußerte Kritik.