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TESTS IN BURGENLAND

19.07.2014, 06:00

Im Burgenland arbeiten Forscher an der Entwicklung eines Verfahrens, mit dem man überschüssigen Windstrom in Diesel umwandeln kann. Schon im Jahr 2020 könnte eine erste Winddiesel- Analge errichtet werden, zeigt sich ein Projektkonsortium unter Führung des ACR- Instituts Güssing Energy Technologies zuversichtlich.

"Es ist eine frühe Entwicklungsphase, die Versuche werden im Technikum Güssing durchgeführt", erklärte Geschäftsführer Richard Zweiler im Gespräch. Das Besondere bzw. Neue auf diesem Gebiet sei, dass für kleinere Anlagen entwickelt werde und man sich auf Biomasse spezialisiere. Mit dem Projekt werde der Kreis innerhalb der burgenländischen Forschung geschlossen. Windkraft im Norden und Biomasse im Süden arbeiteten ab jetzt gemeinsam an einer Lösung, die weltweit führend sein werde.

Derzeit produzieren die 183 Windenergieanlagen der Energie Burgenland 800 Millionen Kilowattstunden (kWh) pro Jahr an elektrischer Energie. Würde man etwa 30 Prozent davon in Überschusszeiten dazu nutzen, um Diesel zu erzeugen, könnten pro Jahr 25 Millionen Liter Diesel aus Wind produziert werden, hieß es in einer Aussendung.
Mehr erneuerbare Energieträger

Das Burgenland als Land mit der bundesweit höchsten Pkw- Dichte und der höchsten durchschnittlichen Kilometerleistung pro Jahr, könnte damit den Anteil an erneuerbaren Energieträgern im Verkehr von derzeit sieben auf 40 Prozent erhöhen.

Dies werde laut dem Unternehmen möglich, weil die Vergasungsanlage 7.500 Stunden im Jahr in Betrieb sei und mit der angeschlossenen Fischer- Tropsch- Anlage (mit dieser lässt sich ein Kohlenstoffmonoxid- Wasserstoff- Gemisch in flüssige Kohlenwasserstoffe umwandeln, Anm.) zusätzlich die dreifache Menge an Diesel erzeuge, die aus Windenergie gewonnen werden könne. "Damit können alle 105.000 Diesel- Pkw des Burgenlandes völlig CO2- neutral betrieben werden", erläuterte Zweiler.

Zu den nächsten Schritten gehöre die Weiterentwicklung des Fischer- Tropsch- Dieselreaktors in Laborversuchen, um die Einspeisung von Wasserstoff aus Windenergie zu ermöglichen. Weiters müssen man umfangreiche Simulationsmodelle erstellen und die Kosten einer Großanlage abschätzen, um die Wirtschaftlichkeit des neuen Verfahrens zu berechnen, heißt es.

 

Die Krone.at 19.07.2014